Mastschweine mit Seil
Christa Diekmann-Lenartz | am

Region Hannover: Tierwohl ist mehr als zehn Prozent mehr Platz

Familie Voigt bewirtschaftet in Stöckendrebber, Region Hannover, einen Betrieb mit 150 Sauen und 1.500 Mastplätzen. Mit einem Maststall war sie von Anfang an bei der Initiative Tierwohl dabei.

Hendrik Voigt ist ein „Schweinemensch“. Voigt mästet nicht nur die Ferkel seiner 150 Sauen, er kauft zusätzlich von einem Betrieb zu. Insgesamt mästet er auf 1.500 Plätzen Schweine.

Kürzlich hat Voigt im Nachbarort einen Sauenstall von einem aufgebenden Berufskollegen gekauft. Hier soll künftig Platz für weitere 328 Mast- und 900 Aufzuchtplätze sein. „Wären die Ferkelpreise im vergangenen Jahr noch länger auf dem Niedrigniveau geblieben, wäre die Sauenhaltung bei mir auch weggewesen,“ erzählt der 42-jährige. Angesichts der positiven wirtschaftlichen Prognosen wagt er jetzt sogar die Erweiterung.

Initiative Tierwohl – Von Anfang an dabei

Voigt ist seit vielen Jahren Mitglied beim VzF Uelzen und führt jedes Jahr Betriebszweigauswertungen durch. Mit seinem neuesten Maststall, 2013 gebaut, nimmt er an der Initiative Tierwohl (ITW) teil. Er hatte das Glück, ausgelost zu werden und war bereits in der ersten Runde im Jahr 2014 dabei.

Wie viele andere Berufskollegen auch, hatte er damals bereits in mehr Tierwohl investiert, ohne zu wissen, ob er wirklich bei ITW dabei sein würde: „Ich habe beim Stallneubau größere Fenster eingebaut, mehr Platz pro Tier vorgesehen, Einrichtungen für zusätzliches Beschäftigungsmaterial und Raufutter eingebaut sowie Scheuerbleche.“

Reduzierte Tierzahl und Ebermast

In der ersten Runde der Initiative Tierwohl kam Voigt mit den Extras, die er erfüllen konnte, auf 9 € pro Schlachtschwein. Dafür reduzierte er die Tierzahl um 20 %. Außerdem stieg er in die Ebermast ein. Dafür gab es 1 € Aufschlag pro Tier.

In der zweiten ITW-Runde reduzierten sich die zur Verfügung stehenden Kriterien. Der maximal erreichbare Aufschlag ging auf 5,10 € pro Tier zurück. Die bekommt Voigt auch zurzeit. Da er seine eigenen Ferkel mit etwa 40 kg recht spät in den Maststall einstallt, kommt er auf über drei Umtriebe pro Jahr. Das ist etwas mehr als im üblichen System. Die Initiative Tierwohl deckelt die Zahl der Umtriebe jedoch auf 3,5. Damit liegt der maximale Bonus pro Mastplatz bei 17,85 €.

Die Ebermast gehört in der zweiten Runde nicht mehr zu den wählbaren Kriterien. Zudem wurde die Ebermaske mehrfach zuungunsten der Lieferanten geändert. Voigt mästet trotzdem weiter Eber.

Positives Gesamturteil zur ITW

Schweinehalter Hendrik Voigt mit Mastschweinen

Rechnet sich nun generell die Teilnahme an ITW? Voigt beantwortet diese Frage für sich mit einem eindeutigen „Ja“. Ohne die ITW-Aufschläge ginge es nicht, sagt er. Die Investitionskosten für den neuen Stall lagen mit 665 € netto pro Platz höher als bei einem „08-15-Stall“, da brauche es die Aufschläge. Und 10 % weniger Tiere seien etwa bei den momentan sehr guten Schweinepreisen natürlich auch ein deutlicher Mindererlös. Allerdings, gibt er zu bedenken, seien die Zunahmen bei etwas reduzierter Besatzdichte seines Erachtens auch höher als in seinen anderen Ställen.

Für die dritte Runde ITW ab 2020 sind gerade die Kriterien und das Procedere bekanntgegeben worden. Wird Voigt auch wieder einen Antrag zur Teilnahme stellen? Vermutlich ja, sagt er, das müsse er aber, wie jeder Betrieb, für sich genau durchrechnen.

Grundsätzlich sieht er das Programm positiv, vor allem, wenn man das ITW-Schweinefleisch demnächst auch als solches im Laden kaufen kann. Das ist derzeit nur bei Geflügel möglich. Er hofft, dass der Umsatz von ITW-Fleisch dann ansteigen wird.

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