Dirk Gieschen
Jan-Gerd Ahlers | am

Tarmstedt 2020: Trotz Absage nach vorn blicken

Es war eine bittere Nachricht: Die Messe in Tarmstedt findet 2020 aufgrund von Corona nicht statt. Dirk Gieschen, Sprecher der Ausstellungs-GmbH, schildert die Konsequenzen für den Standort.

Seit 71 Jahren trifft sich der Norden in Tarmstedt. Dieses Jahr nicht. Was ist das für ein Gefühl?

Dass die Tarmstedter Ausstellung 2020 ausfällt, ist bedrückend. Die Corona-Situation ist für alle hier in Tarmstedt und umzu in diesen Wochen sicherlich noch mehr als anderswo eine ganz merkwürdige Zeit. Es ist eben nicht die Ruhe vor dem „Sturm“ im Juli mit über 100.000 Besuchern an vier Tagen wie in anderen Jahren.

Sonst weicht die Ruhe ab Ende Juni der Geschäftigkeit, wenn wir zusammen mit 750 Ausstellern zwei Wochen lang auf 18 ha unsere kleine „Ausstellungs-Stadt“ aufbauen. So wie überall in Deutschland erleben wir ein völlig ungewohntes, stark gebremstes öffentliches Leben ohne Veranstaltungen mit großem Publikum. Das macht etwas mit uns, aber wohl auch mit der gesamten Gesellschaft.

Wie reagierten die Aussteller auf die Absage?

Natürlich haben alle Verständnis - es gab sogar auch viele Unterstützungsbekundungen. Insbesondere die landwirtschaftlichen Fachaussteller haben uns, obwohl sie sonst gerne mal Kritik äußern, jetzt klar gesagt, dass die Tarmstedter Ausstellung für sie eine ihrer wichtigsten Vertriebsveranstaltungen ist.

Oft sogar die Wichtigste. Deshalb hat es viele Aussteller eben auch hart getroffen. Ihnen fehlen die Einnahmen auf dem Messestand, die Kundenkontakte und die vielen neuen Kontakte und Aufträge, die sie hier sonst immer gewonnen haben.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Absage für den Veranstalter?

Die Absage hat uns als Ausstellungsgesellschaft ebenso wie unsere Aussteller, Mitarbeiter und Helfer hart getroffen. Das Verbot von Großveranstaltungen ist für viele Unternehmen, besonders aber für die Gastronomie und für die Eventbranche, eine große Herausforderung, für viele mit existenzbedrohenden Folgen. Es ist schlimm für die Ausstellung, aber wir blicken jetzt nach vorn. Viele Kosten laufen unverändert weiter, die Einnahmen fallen komplett aus. Wir haben von Anfang an klar gesagt, dass wir alle bereits bezahlten Standgelder voll zurückzahlen würden, wenn die Absage kommt. Und das haben wir dann auch getan. Wenn ich mir allerdings die wirtschaftlichen Sorgen vieler anderer anschaue, dann relativiert sich aus der Sicht der GmbH vieles.

Trotzdem ist es so, dass der Ausfall der Veranstaltung viele unserer Mitarbeiter hart trifft, weil es ohne Ausstellung auch keine Arbeit auf der Ausstellung gibt – vom Parkplatz über die Kasse bis zum Auf- und Abbau. Im Ausstellungsbüro und im Team gibt es bereits jetzt Stundenreduzierungen und Kurzarbeit wie bei wohl jeder Messegesellschaft.

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