Mastschweine in einer konventionellen Haltung.
Ellen Hartmann | am

Tierwohl: So lässt sich messen, ob es Schweinen gut geht

Die Tierärztliche Hochschule Hannover hat die Ergebnisse der sogenannten MulTiViS-Studie vorgestellt. Ziel war es, Tierwohlindikatoren bei Mastschweinen messbar zu machen. Das ist den Forscherinnen und Forschern auch gelungen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt die MulTiViS-Studie seit 2017 im Rahmen des Programms "Innovationen zur Bewertung der Tiergerechtheit und des Tierwohls". MulTiViS steht für Multivariate Bewertung des Tierwohls durch integrative Datenerfassung und Validierung von Tierwohlindikatoren in Schweinebeständen.

Forscher bestimmen 200 Tierwohlindikatoren

Die Forscher analysierten im Rahmen der Studie in Schweinemastbetrieben und am Schlachthof diverse Tierwohlindikatoren wie unter anderem das Auftreten von Verletzungen, die Mortalität oder verschiedene Schlachtbefunde auf ihre Praxistauglichkeit. Dabei betrachteten die Wissenschaftler rund 200 Indikatoren, mit denen Tierärzte und Tierhalter nun Rückschlüsse auf das Tierwohl und auf Erkrankungen ziehen können. So können eventuell auch schneller Maßnahmen eingeleitet werden.

Bauchgefühl reicht für Aussage über das Wohlbefinden nicht aus

"International wie national wird in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft, in der Politik und ganz allgemein in der Gesellschaft viel über Tierwohl diskutiert und um die richtige Vorgehensweise der Erfassung und der Bewertung des Tierwohls gestritten", so Professor Dr. Lothar Kreienbrock vom Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung. Er leitee das Projekt gemeinsam  mit PD Dr. Hubert Gerhardy, Marketing Service Gerhardy. "Um aber eine verlässliche Aussage über das Wohlbefinden von Tieren treffen zu können, reicht das Bauchgefühl nicht aus. Vielmehr müssen belastbare Daten so zur Verfügung gestellt werden, dass diese im landwirtschaftlichen Alltag praktikabel erfasst und die Daten und deren Zusammenhänge anschließend auch fachlich korrekt analysiert werden können."

"Dabei gibt es nicht DEN guten oder DEN schlechten Betrieb"

Die Studie zeigt, dass Daten von Landwirten und von Tierärzten im Betrieb und auf Schlachthöfen nacherfasste Informationen "eine Klassifikation von Betrieben nach Tierwohlkriterien ermöglichen". "Dabei gibt es nicht DEN guten oder DEN schlechten Betrieb", erklärt Kreienbrock. "Vielmehr müssen die vielfältigen Teilinformationen, aus denen Tierwohl besteht, angemessen geprüft, verarbeitet und bewertet werden."

Nach Aussage von Dr. Hendrik Nienhoff, Experte vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer, können die Projektergebnisse „als wesentliche Grundlage für ein nationales Tierwohlmonitoring genutzt werden, da es bereits jetzt wesentliche Komponenten einer Tiergesundheitsdatenbank enthält“. So lasse sich nicht nur das Tierwohl beurteilen, auch könnten alle in der Lebensmittelkette diese Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.

Mit Material von Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, AgE
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