Bier-Zapfhahn-Schaumkronen
Johanna Ritter | am

Walsrode: Zu Besuch bei der Brauerei Schnuckenbräu

Heute ist Tag des deutschen Bieres. Die LAND & FORST ist auf Stippvisite in der Walsroder Ein-Raum-Brauerei Schnuckenbräu.

Schnuckenbräu-Tag-des-deutschen-Bieres-Bernd-Meyer

Hopfen und Malz, Gott erhalt´s! Begibt man sich auf Spurensuche, wer wann das erste Bier gebraut hat, landet man ca. 3.000 bis 2.000 vor Christus in Mesopotamien, dem heutigen Irak. Trüb, lauwarm und süß, wie flüssiger Brotteig soll das frühe Bier geschmeckt haben. Da gemahlenes Getreide bekömmlicher war als ganze Körner, wurden sie gequetscht, zerrieben und mit Wasser vermengt. Wilde Hefen aus der Luft plus Wärme erledigten dann den Rest – das Zufallsprodukt eine Art Ur-Bier entstand. 

Deutsches Reinheitsgebot

Schnuckenbräu-Tag-des-deutschen-Bieres-Reinheitsgebot-Urkunde

Dem Zufall wird heute nichts mehr beim Brauen überlassen. Denn seit dem 23. April 1516 gilt das „Deutsche Reinheitsgebot“, nach dem Bier nur aus Hopfen, Malz und Wasser hergestellt werden soll. Hefe als Gärmittel kam erst später zur Verwendung, als man in der Lage war, diese herzustellen. Dieses älteste Verbraucherschutzgesetz der Welt – ein verbrieftes Qualitätsversprechen - feiern die deutschen Brauer und Bierfans jährlich am 23. April.

Heute ist Deutschland mit einem Gesamtbierabsatz von rund 92 Millionen Hektolitern Bier die größte Braunation Europas. Laut Statistik des Deutschen Brauer-Bundes werden immer mehr Brauereien innerhalb Deutschlands betrieben. Insgesamt 1.548, letztes Jahr allein 83 davon in Niedersachsen und Bremen.

Brauversuche in der Küche

Eine davon liegt in Hünzingen im Heidekreis - die Brauerei Schnuckenbräu. Mit Zapfanstich am 1. Mai 2000 erfüllte sich der gebürtige Walsroder Bernd Meyer einen langgehegten Wunsch und gründete seine eigene Brauerei. Schon zu Schulzeiten begann er in der elterlichen Küche mit dem Bierbrauen und stellte sein erstes eigenes Bier hier.

Traum von eigener Brauerei

Schnuckenbräu-Tag-des-deutschen-Bieres-Bierflaschen

Nach  Abitur und  Wehrdienst entschied sich Meyer für ein Maschinenbaustudium, merkte jedoch schnell, dass das nicht das Richtige war. Über den Nebenjob bei einem Getränkehändler, kam er zurück zum Thema Bier. „Bier wird schließlich immer getrunken“, sagte er sich damals und fasste den Entschluss zu einer Ausbildung im Brauereihandwerk. Gesagt – getan!

Nach erfolgreicher Lehrzeit in einer Bremer Brauerei, sieben Monaten als Rucksacktourist in den USA und Australien, machte er an der Versuchs- und Lehranstalt in Berlin seinen Brauereimeister. Mehrere Jahre praktische Erfahrung als Betriebsleiter einer oberbayerischen Brauerei komplettierten sein Brauereiwissen und ließen die einstige Idee von einer eigenen kleinen Brauerei zu neuem Leben erwecken. „Irgendwann mal etwas Eigenes zu machen, dieser Gedanke schwelte die ganze Zeit im Hintergrund“, berichtet der Braumeister.

Alles in einem Raum

Nach Anfangsschwierigkeiten, aufgrund rückläufiger Bierabsatzzahlen, dem Akquirieren möglicher Kundschaft und nicht zuletzt der Klärung der Finanzierungsmöglichkeiten, startete er schließlich mit seiner Ein-Raum-Brauerei auf sechzig Quadratmetern.

Den Namen Schnuckenbräu verdankt das Unternehmen dem ehemaligen Bürgermeister von Hünzingen, Hans Prümm, der selbst eine kleine Heidschnuckenherde besaß. 

Verschiedene Sorten

Vier Sorten werden bei Schnuckenbräu hergestellt. „Derzeit brauen wir 60.000 Liter im Jahr“, gibt Bernd Meyer Auskunft. Helles, untergäriges Bier, Pilsener Brauart, das mit hauchzarter Hopfennote besticht, sowie dunkles untergäriges, betont malziges Vollbier. Für den Fassausschank altbayerisches Weißbier, das nicht nur lecker im Geschmack, sondern mit seiner, dem Bernstein ähnelnden Farbe auch eine Augenweide ist.

Mit dem Maibock bereichert Starkbier das Angebot. Wobei dieses alljährlich nur für den Ausschank am 1. Mai gebraut wird. Für 2020 hat Meyer einen Sud mehr angesetzt und füllt das „Schnuckenbräu Maibock“ erstmals auch in Flaschen ab.

Naturbelassen mit leichter Trübung

Die in Hünzingen gebrauten Biere weisen eine Besonderheit auf, so der Braumeister. Sie sind naturbelassen und haben eine leichte Trübung, da sie weder einer Wärmebehandlung unterzogen, noch zwischen Lagerung und Endabfüllung filtriert werden. Dadurch sind sie zwar nicht so lange haltbar wie filtrierte Biere, punkten jedoch mit besserer Bekömmlichkeit und runderem Geschmack. Ganz nach dem Motto des Bierbrauers Bernd Meyer: „Bier trinkt sich am besten frisch. Es ist kein Produkt für eine lange Lagerhaltung. Da wird es einfach nicht besser.“ 

Auch gibt der Braumeister sein Wissen gern an Interessierte weiter. Wer Interesse an einer Brauereiführung, Braukursen und Brauseminaren hat, kann sich hier auf der Webseite informieren.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der aktuellen LAND & FORST, Ausgabe 17/2020 und in der digitalen Ausgabe.

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