Zwei Karpfen auf einem Brett mit Pilzen und Zitronen.
Anne Voß | am

Weihnachten: Karpfen kommt wieder häufiger auf den Tisch

Lange Zeit hatte der Fisch in Niedersachsen an Weihnachten und Silvester Tradition. Allerdings wegen der vielen Gräten keinen guten Ruf. Doch dieses Jahr wird eine der bekanntesten europäischen Fischarten wieder häufiger aufgetischt. Zudem gilt der Karpfen als der nachhaltigste Fisch Deutschlands. Feinschmecker vergleichen ihn beim Geschmack sogar mit Wein.

Viele ältere Menschen in Niedersachsen kennen und lieben den Karpfen noch von früher. Ihre Kinder erinnern sich dagegen oft mit Grauen an den glibberigen und mit Gräten durchsetzten Fisch, den sie vor sich auf dem Teller herumschoben. Doch nun wendet sich das Blatt: «Der Trend geht durchaus wieder zum Karpfen - selbst bei Jüngeren», sagte Steffen Göckemeyer vom Landesfischereiverband Niedersachsen der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Karpfen aus dem Maschsee

Auch in Hannover ist der Trend zu spüren. Hier sind am 23. Dezember am Ufer des Maschsees Karpfen verkauft worden. «Wir hatten sehr viele Vorbestellungen», sagte Felix Stähler, Verkäufer bei der Firma Fischzucht Neumann aus Moisburg im Landkreis Harburg. Diese hat seit 2016 das Fischereirecht für Hannovers bekannten See von der Stadt gepachtet - dies schließt ein, vor Weihnachten und Silvester Fische am Ufer zu verkaufen. Die kleinen Karpfen wurden 2017 im Maschsee ausgesetzt, seither hätten sie mehr als ein Kilogramm zugelegt. «Sie leben von Naturnahrung und bekommen kein Zusatzfutter wie oft in Teichen», betonte Stähler.

2018: 4700 Tonnen bundesweit gezüchtet

Nach der Regenbogenforelle ist der Gemeine Karpfen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der wichtigste Fisch aus Aquakulturen in Deutschland. Rund 4700 Tonnen wurden 2018 bundesweit gezüchtet, Bayern und Sachsen-Anhalt führen dabei mit großem Abstand. Doch beim Verzehr landet der Karpfen weit abgeschlagen hinter Fischen wie Alaska-Seelachs, Lachs, Thunfisch oder Hering. 2018 betrug sein Marktanteil gerade mal 0,5 Prozent. Gründe: viele Gräten, aufwendige Zubereitung, unangenehmer Geruch.

Nachhaltigster Fisch Deutschlands

Dabei sollten wir eigentlich viel mehr Karpfen essen. «Er ist der nachhaltigste Fisch Deutschlands», sagt die Fischereiexpertin Stella Nemecky von der Umweltschutzorganisation WWF. Der Karpfen lebt in naturnahen Teichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Zuchtfischen muss er nicht mit Fischmehl gefüttert werden, sondern ernährt sich von winzigen Wassertierchen, Insektenlarven und Pflanzen. Wenn die Teichwirte zufüttern, dann meist Getreide aus der Region. Nach dem Fangen landet der Karpfen in der Regel direkt auf dem Teller, legt also keine langen Wege zurück.

Bei jungen Genießern punktet der Karpfen vor allem mit seinem nachhaltigen Image. «Wir beobachten, dass sich viele Menschen tatsächlich aus ökologischen Motiven dem Karpfen zuwenden», sagt Nina Wolff von der Bewegung Slow Food. Den Eigengeschmack des Karpfens sieht sie eher als kulinarischen Vorteil: «Das ist ähnlich wie beim Wein: Der Boden, in der sich die Teichwirtschaft befindet, und die Eigenschaften des Wassers bestimmen den Geschmack.»

 

Sie sind auf den Geschmack gekommen? Dann finden Sie hier ein tolles Karpfen-Rezept.

Mit Material von dpa
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