Barbara Otte-Kinast und Jochen Hartmann reden über Vorteile der Untersaat
Renate Bergmann | am

Biodiversität macht Spaß

Welche Maßnahmen sind wirklich effektiv, um die Artenvielfalt in der Landwirtschaft zu erhöhen? Um das herauszufinden, besuchte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast während ihrer Sommerreise den Hof von Hilke und Jochen Hartmann in Rettmar bei Lüneburg.

Forschung im F.R.A.N.Z.-Projekt

Der Hof Hartmann ist einer von zehn Demonstrationsbetrieben des F.R.A.N.Z.-Projektes (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft, und Naturschutz mit Zukunft), die über ganz Deutschland verteilt sind. „Die Forschung klärt, wie Biodiversität umgesetzt werden kann“, sagte Otte-Kinast „und wie die politischen Rahmenbedingungen dafür aussehen müssen.“ Dabei müsse der Umweltschutz effizient und die Maßnahmen zielführend sein, sagte Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. Hof Hartmann sei dafür ein gutes Beispiel.

Biodiversität soll sich rechnen

Jochen Hartmann zeigte einige praxistaugliche Maßnahmen auf seinen Feldern. Auf rund zehn Prozent seines 200 Hektar großen Ackerbaubetriebes setzt er die Maßnahmen des Projektes um.

In einem Feld mit Braugerste mit blühender Untersaat erklärte er die Bedeutung des Bodenbewuchses für den Wasserhaushalt und für das Bodengefüge. „Der Boden sollte möglichst bewachsen gehalten und nicht bewegt werden“, sagte der Landwirt. Obwohl er keinen Dünger ausgebracht und keine Pflanzenschutzmittel angewendet hat, rechnet er mit nur 0,5 Tonnen weniger Ertrag – aus Erfahrung. Biodiversität muss sich auch rechnen, sagte Otte-Kinast. Dafür müsse die Politik sorgen und die Erforschung der Maßnahmen helfe dabei.

Vielfalt muss im Kopf beginnen

Mehrjährige Blühflächen sehen zwar nicht schön bunt aus, sind aber ein deutlicher Mehrgewinn für die Artenvielfalt gegenüber einjährigen Streifen, erklärte Hartmann. Andere Pflanzenarten bekamen bei ihm durch das Abtragen des nährstoffreichen Oberbodens an Feldrändern eine Chance. Die unterschiedlichen Pflanzen locken zahlreiche Insekten an und bieten Deckung für Feldhasen, Amphibien und andere Tiere. In den Vogelinseln mitten auf den Feldern finden seltene Vogelarten wie der Kiebitz und die Lerche Unterschlupf und Nahrung.

„Wir wollen Vielfalt in der Agrarlandschaft haben, aber sie muss im Kopf beginnen“, sagte Hartmann. Und er denkt Vielfalt: Neben den Maßnahmen des F.R.A.N.Z.-Projektes, setzt er auch eigene Ideen um. Für seine 1.400 Hühner in Mobilställen hat Hartmann einen Hühnerwald angelegt. Er dient als Lebensraum, Energielieferant, Humusspeicher und Erholungsort für ihn selbst. Die Produktion hochwertiger, gesunder Lebensmittel in Verbindung mit dem Naturschutz ist Jochen Hartmann eine Herzensangelegenheit, das spürt auch Barbara Otte-Kinast. „Hier merke ich, dass Biodiversität Spaß macht, Erfolge zeigt und zum Weitermachen motiviert“, sagte sie nach der Fahrt durch die Feldmark.

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