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Philipp J. Hecker | am

Warum junge Leute das Land lieben

Der Trend in die Stadt zu ziehen hält an. Es gibt kaum Arbeit auf dem Dorf und es ist langweilig - aber ist das die Wahrheit? Junglandwirt Claas Wischhof erzählt, warum es auf dem Dorf schöner ist als überall sonst auf der Welt.

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Zwischen Bäumen und Feldern liegt ganz in der Nähe der Lüneburger Heide das verträumte Holthusen I. In diesem ruhigen Dörfchen lebt, umgeben von Kartoffelkisten, Kartoffeln, Feldern, Wald und Wiesen die Familie Wischhof.

Seit acht Generationen führen die Wischhofs einen Kartoffelhof im Landkreis Uelzen und erfreuen ihre Kunden mit den selbst angebauten Knollen. Teil der Familie ist der 26-jährige Claas, der jüngere von zwei Söhnen des Ehepaars Wischhof. Nach seinem Fachabitur absolvierte er eine landwirtschaftliche Ausbildung, bevor es ihn in die nicht allzu weit entfernte Stadt Osnabrück zog, wo er Wirtschaftsingenieurwesen im Agrarbereich studierte.

Heute wohnt der Junglandwirt wieder in Holthusen, zusammen mit seinen Eltern Jürgen-Heinrich und Martina Wischhof. Doch warum zieht es ihn zurück aufs Land?

Freizeit auf dem Hof und dem Motorrad

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„Mit meinem Beruf als Landwirt bleibe ich bei meiner Familie. Der Beruf ist abwechslungsreich und ich kann hier viel lernen, vor allem über den Betrieb. Ich kann hier jederzeit raus ins Grüne, einfach mal die Seele baumeln lassen“, antwortet der junge Landwirt.

Der Hof verlangt der Familie viel ab, während der Sommerzeit wird die Ernte eingefahren und an einen Urlaub fernab des Hofes ist oft nicht zu denken. Die Familie hat außerdem ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, mit dem sie jeden Quadratmeter gezielt beregnen können. „Da ist ähnlich wie in der Ernte genug zu tun“, berichtet Claas.

Doch trotz der langen Arbeitszeiten versteht der gebürtige Holthusener auch seine Hobbys geschickt in das Leben auf dem Hof einzuflechten. „2017 bin ich Deutscher Junioren-Vizemeister geworden,“ erzählt er und präsentiert stolz seine Motorräder. „und zwar in der Enduro, das sind Geländemotorräder mit Straßenzulassung.

Die Meisterschaft heißt: Deutsche Enduro Meisterschaft. Beim Fußball wäre das Äquivalent die 1. Bundesliga. Erst muss in der 2. Bundesliga gefahren werden und wenn man da an der Spitze fährt, muss man in die DEM, Deutsche Enduro Meisterschaft.“ Auf diese Meisterschaft hat ihn sein Vater Jürgen Heinrich Wischhof, Betriebsleiter des Kartoffelhofes, vorbereitet.

Landjugend wieder zum Leben erweckt

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Einen festen Platz auf dem Hof hat auch die 24-jährige Anna, Claas Freundin. Die gelernte Kauffrau für Büromanagement hilft überall auf dem Hof und packt an, wo sie kann. Auch gemeinsame Abende auf dem Schlepper gehören dazu.

Doch es gibt nicht nur die beiden Jugendlichen im Kreis Uelzen, vor einiger Zeit hat Claas mit einigen Freunden die Landjugend in seinem Kreis wieder zum Leben erweckt und ist nun im Vorstand der circa 80 Mitglieder starken Gruppe. „Die Landjugend hilft sich untereinander zu vernetzen und so bleibe ich auch in Kontakt mit jüngeren Landwirten“, erklärt der angehende Kartoffelhofbesitzer.

Anna sieht noch weitere Vorteile: „Letzten Sommer, also 2019, gab es eine große Poolparty, wo wir alle eingeladen waren. Durch die Unternehmungen, die wir hier zusammen machen können, fühlt man sich überhaupt nicht einsam. Viele von unseren Freunden sind selbst Landwirte und haben dann auch ähnliche Arbeitszeiten wie wir, man muss sich also nicht rechtfertigen, wenn man gerade in der Ernte mal weniger Zeit hat.“

Führerschein: Auf dem Land ein Muss

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Trotz der vielen Freunde und den Vorteilen durch die Landjugend mussten Claas, Anna und ihre Freunde ein Hindernis überwinden: die großen Entfernungen auf dem Land. Wer sein Dorf verlassen möchte, dem ist oft schon mit einem Fahrrad nicht mehr geholfen. „Ohne Führerschein musste ich überall hingefahren werden. Das war für meine Eltern nicht immer leicht und bestimmt nicht immer passend, die Erleichterung war jedenfalls spürbar, als ich meinen Führerschein dann endlich hatte“, berichtet der Kartoffelbauer.

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