Baggerschiff MS Willem van Oranie beim Verklappen von Schlick auf der unteren Elbe.

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Ellen Hartmann | am

Niedersachsen verärgert über Hamburgs geplante Elbvertiefung

Damit der Hamburger Hafen für große Containerschiffe erreichbar bleibt, muss die Hansestadt immer wieder Schlick aus der Elbe baggern. Dafür soll vor der Insel Scharhörn eine Schlickdeponie entstehen - sehr zum Unmut von Niedersachsen.

Laut Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies sei es "irritierend, dass Hamburg hier über den nun bekannt gewordenen Zeitplan an der Grenze unseres Nationalparks Wattenmeer innerhalb weniger Wochen Fakten schaffen will - und das gegen die berechtigten Bedenken und Interessen Niedersachsens". Aus diesem Grund wolle Lies nun untersuchen, "welche Einflussmöglichkeiten wir als Land Niedersachsen haben".

Elbschlick soll vor Scharhörn verklappt werden

Am Dienstag (8. Februar) hatte Hamburgs Wirtschaftsbehörde angekündigt, dass der anfallende Schlick vor der zu Hamburg gehörenden Insel Scharhörn verklappt werden solle. Das dies ökologisch unbedenklich sei, habe ein Gutachten der Hafenbehörde HPA ergeben, heißt es weiter. "Die Annahme, dass das Verklappen von Elbschlick in diesem sensiblen Bereich keine Auswirkungen hätte, ist aus meiner Sicht in keiner Weise sichergestellt", prangert Niedersachsens Umweltminister an. 

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Niedersachsen ist gegen Schlickpläne

Die Insel Scharhörn gehört zum Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und mit den Nationalparks der Nachbarländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen zum Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer. Die neue Schlickdeponie auf der Insel liege laut Wirtschaftsbehörde jedoch außerhalb des Nationalparks. Dennoch würden Umweltverbände nun von einer Katastrophe für den geschützten Lebensraum Wattenmeer sprechen, sollten die Elbschlickpläne umgesetzt werden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). 

Bund äußerte sich 2021 auch gegen Scharhörn-Idee

Nach Ansicht von Niedersachsen sei Hamburg nun einfach ohne Absprache mit den Schlickplänen voran geprescht. "Bisher war die Zusammenarbeit geprägt von einem engen Austausch und vernünftigem Miteinander", so Lies. Weiter wies der Minister auch darauf hin, dass sich der Bund und die drei Anrainerländer der Unterelbe im vorigen Jahr darauf geeinigt hätten, zusammen über ein "Konzept für das Sedimentmanagement an unserer Küste" zu beraten. Auch der Bund, damals vertreten durch den Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann, äußerte klar, dass Berlin die Scharhörn-Idee von Hamburg nicht unterstütze. "Der Bund hat sehr früh deutlich gemacht, dass wir eine Verbringung in unmittelbare Nähe des Wattenmeeres für nicht zuträglich halten", sagte Ferlemann im vergangenen Juni. 

Lies appelliert daran, Lösung zu finden

Laut Lies müsse nun eine Lösung gefunden werden. "Hieran arbeiten wir mit dem Bund und den Nordländern", erklärte Lies. "Unser Ziel ist eine gemeinsame Lösung. Alleingänge sind hier wenig hilfreich." Eine Lösung könnte eine vorübergehende Verbringung des Schlicks in der Außenwirtschaftszone (AWZ), so ein Vorschlag des SPD-Politikers. Hiermit meint Lies internationale Gewässer in Küstennähe. diesen würden zwar nicht zum deutschen Staatsgebiet gehören, dürften aber von Deutschland exklusiv genutzt werden. 

Hamburg muss Elbe in regelmäßigen Abständen auskoffern

Da die Elbe den Gezeiten ausgesetzt ist, muss die Hansestadt den Fluss rund um den Hamburger Hafen mit immensem Kostenaufwand regelmäßig ausbaggern. Nur durch das Auskoffern der Elbe können die riesigen Containerschiffe Hamburg überhaupt anlaufen. Die Hansestadt ist nach Rotterdam und Antwerpen übrigens der drittgrößte Hafen in Europa. Mit der jüngsten Elbvertiefung hat sich das Dauerproblem weiter verschärft, denn bei den Baggerarbeiten fallen Millionen Tonnen Schlick an. Doch wo lässt Hamburg den anfallenden Schlick? Einen Teil darf die Stadt an die Tonne E3 südlich der zu Schleswig-Holstein gehörenden Insel Helgoland bringen. Es landet aber auch Schlick hinter der Hamburger Landesgrenze bei Neßsand in der Elbe. Dort ist jedoch das Problem, dass der Schlick hier innerhalb weniger Wochen zurückgespült wird. 

Mit Material von dpa

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