Grundwasser-Messstelle
Meinung | Edith Kahnt-Ralle | am

Rote Gebiete Niedersachsen: Fakten und politischer Einsatz

In Sachen "Rote Gebiete" zählen belastbare Fakten und unermüdlicher politischer Einsatz. Ein Kommentar von Edith Kahnt-Ralle.

Was für emotionale Bilder aus Berlin! Die Landwirtschaft steht zusammen, macht sich gemeinsam seit Wochen gegen die Politik auf den Weg und scheut dabei keine Entfernungen. Ja, gerne wäre ich dabei gewesen, doch ich sitze am Schreibtisch in Oldenburg und verfasse diesen Kommentar. Mein Thema: Die Roten Gebiete.

Was für ein undankbares Thema! Und scheinbar eine never-ending story dazu.

Sind Messstellen aussagekräftig?

Vor drei Jahren hatte ich ein Gespräch beim NLWKN, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, in Aurich. Es ging um das Messstellennetz, mit dessen Hilfe im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie die Nitratbelastung unseres Grundwassers vorgenommen wird.

Seitens der Landwirtschaft wurde bezweifelt, ob die Messstellen überhaupt aussagekräftig genug sind.

Düngeverordnung als Damoklesschwert

Und heute? Die Düngeverordnung ist da und die nach Brüssel gemeldeten Verschärfungen der DüngeVO hängen wie ein Damoklesschwert über den Landwirten in den Roten Gebieten. Jetzt, wo der Druck auf die Landwirtschaft groß geworden ist, sollen die Messstellen genauer unter die Lupe genommen werden, denn die Zweifel an ihnen sind gewachsen.

Zum Teil berechtigterweise, wie ein Fachgutachten, welches vom Landvolk Niedersachsen in Auftrag gegeben wurde, belegen könnte, so Fachkreise. Das Gutachten wird laut Aussage des beauftragten Büros im März 2020 vorliegen.

NRW: 10 % der Messstellen mit Defiziten

Im Nachbarland Nordrhein-Westfalen ist man bei der Qualitätskontrolle des Messnetzes schon etwas weiter. Hier wurden zunächst 300 Messstellen überprüft, zu denen es Hinweise auf Mängel gab. Fazit: Bei etwa 10% der Messstellen gibt es Defizite. Die Beanstandungen reichen von unvollständigen Messstellenunterlagen über unzureichende Absicherung gegen Beschädigung bis hin zu Einschränkungen der Beprobbarkeit.

Fehlerhafte Messstellen werden nach und nach ausgesondert, neue sollen installiert werden, um auch in NRW eine Binnendifferenzierung der Roten Gebiete vornehmen zu können. Die Landwirte erhoffen sich davon mehr Gerechtigkeit.

Neubewertung der Grundwasserkörper in 2021

Niedersachsen hat diese Binnendifferenzierung bereits vorgenommen. Aus 60 % Roten Gebieten wurden 39% Rote Gebiete. Da für die Binnendifferenzierung Roter Gebiete noch keine bundeseinheitlichen und mit der EU abgestimmten Kriterien vorliegen, ist auch nicht sicher, ob die Binnendifferenzierung von Brüssel überhaupt akzeptiert wird.

Und 2021 steht turnusmäßig die Neubewertung der Grundwasserkörper im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie an. Keiner weiß, wie diese ausfallen wird. In dieser Situation zählen mehr denn je belastbare Fakten, unermüdlicher politischer Einsatz und Nährstoffbilanzen auf den eigenen Betrieben, die in Ordnung sind, sonst wird man schnell angreifbar.

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