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Madeline Düwert | am

Rote Gebiete Niedersachsen: Fragen und Antworten (Teil 2)

Niedersachsens Rote Gebiete laut Düngeverordnung: Auch im zweiten Teil des Beitrags erklären wir wichtige Punkte zum Thema.

Warum wurde die Binnendifferenzierung nicht kleinräumiger vorgenommen?

Die Unterteilung der Grundwasserkörper in Teilräume mit hydrologisch ähnlichen Eigenschaften ist die kleinräumigste Unterteilung, die für die Erhebung eines repräsentativen Überblicks wasserwirtschaftlich sinnvoll ist. Nach der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die die wasserrechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Düngeverordnung vorgibt, ist für die Aufgabenstellungen der Wasserwirtschaft keine kleinräumigere Differenzierung möglich. Eine handhabbare, rechtlich belastbare Alternative gab es nicht.

Warum liegen Flächen in der Gebietskulisse Grundwasser, obwohl der nächstgelegene Brunnen nicht über dem Schwellenwert liegt?

Für die Frage, ob eine einzelne Fläche in der Gebietskulisse liegt, ist letztlich maßgeblich, ob sie sich in einer Teilfläche befindet, die ihrerseits – entsprechend dem vorgenannten Konzept – in einem „roten Grundwasserkörper“ liegt und nicht bei der Binnendifferenzierung ausgegrenzt wurde. Aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Regeln kommt es nicht darauf an, ob und wo in einer Teilfläche ggf.auch unbedenkliche Messwerte festgestellt wurden. Die Teilfläche ist einheitlich zu behandeln.

Warum liegen Flächen in der Gebietskulisse, obwohl beispielsweise aus Sicht der Landwirte die Bodenverhältnisse/ Viehdichte/ Wirtschaftsweise/ Bilanzüberschüsse darauf hinweisen, dass aktuell von keiner Belastung auszugehen ist?

 

Bei der Festlegung der Gebietskulisse Grundwasser wird die Immission, also der festgestellte Zustand des Grundwassers, herangezogen. Teilräume, in denen eine Überschreitung des Nitrat-Schwellenwertes festgestellt wurde, sind nach dem Regelwerk der Düngeverordnung als Bestandteil der Kulisse auszuweisen. Dass ein immissions- und kein emissionsbasierter Ansatz als Grundlage der Festlegung zu verwenden ist, gibt die Düngeverordnung vor.

Auch bei der Festlegung der Gebietskulisse Oberflächengewässer wird zunächst nach den Vorgaben der Düngeverordnung die Immission, also der gemessene Wert im Gewässer, zu Grunde gelegt. Bei der Überschreitung der Orientierungswerte für Phosphor in einem stehenden Gewässer wird eine Eutrophierung angenommen. Die räumliche Festlegung der Kulisse erfolgt anhand der hydrogeologisch-hydraulisch ermittelten Grenzen auf Grundlage des Flächenverzeichnisses zur Hydrographischen Karte. Dieses basiert auf Höhen- und Reliefinformationen der amtlichen topographischen Karte (TK 25). Dabei sind ausschließlich diejenigen Seeneinzugsbiete in der Kulisse berücksichtigt, bei denen die Einzugsgebietsgrenzen nach den genannten Kriterien eindeutig abzugrenzen sind und sich auf der Landesfläche Niedersachsens befinden.

Die Düngeverordnung gibt als Kriterium weiterhin vor, die Eutrophierung der Gewässer durch erhebliche Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Quellen aufzuzeigen. Dies wird anhand der Flächennutzung des Einzugsgebietes, wasserwirtschaftlicher Modellierungen aller relevanten Eintragspfade sowie anhand intensivierter Messungen in Seeneinzugsgebieten festgestellt.

Einige Grundwasser-Messstellen, die für die Ausweisung herangezogen wurden, liegen in städtischen Gebieten. Welche Rolle spielen diese Messstellen?

Das verwendete WRRL-Grundwassermessnetz bietet einen repräsentativen Überblick über das Grundwasser in Niedersachsen. Bei der Auswahl der Messstellen wurde darauf geachtet, dass die Verteilung die Flächennutzung widerspiegelt. Der Einfluss städtischer Messstellen auf das Gesamtergebnis ist also proportional zum Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Niedersachsen.

Eine Grundwassermessstelle bildet nicht unbedingt die Einträge in ihrem direkten Umfeld ab, sondern kann aufgrund der Grundwasserströmung ein größeres, weiter entfernt liegendes Einzugsgebiet haben.

Warum sind die Wasserschutzgebiete nicht aus der Kulisse ausgenommen? Hier werden seit Jahren auf freiwilliger Basis Gewässerschutz-Maßnahmen durchgeführt.

Die Düngeverordnung setzt die Nitratrichtlinie um, die den Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer vor Verunreinigung durch Nitrat gewährleisten soll. Sie ist die Basis, auf der freiwillige Maßnahmen zum Trinkwasserschutz in Niedersachsen aufbauen. Diese Zusatzleistungen des „Kooperationsprogramms Trinkwasserschutz“ werden in vielen Trinkwassergewinnungsgebieten erfolgreich umgesetzt und mit EU- und Landesmitteln gefördert.

Die Düngeverordnung setzt die Nitratrichtlinie um, die den Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer vor Verunreinigung durch Nitrat gewährleisten soll. Sie ist die Basis, auf der freiwillige Maßnahmen zum Trinkwasserschutz in Niedersachsen aufbauen. Diese Zusatzleistungen des „Kooperationsprogramms Trinkwasserschutz“ werden in vielen Trinkwassergewinnungsgebieten erfolgreich umgesetzt und mit EU- und Landesmitteln gefördert.

Trinkwasserschutz und die Umsetzung der Düngeverordnung sind also rechtlich und fachlich voneinander getrennte, aber aufeinander aufbauende Ansätze. Es kann sein, dass die langjährige freiwillige Kooperation erfolgreich die Wasserqualität in den Trinkwasserbrunnen verbessert und trotzdem Flächen des Kooperationsgebietes in der Gebietskulisse liegen, für die ein Handlungsbedarf nach dem Düngerecht besteht.

Warum werden nicht jeweils die aktuellsten Messwerte, die teilweise unter dem Schwellenwert liegen, für die Ausweisung verwendet? Wann werden die Gebietskulissen überprüft? Warum werden die Gebietskulissen nicht häufiger angepasst?

Grundlage für die Ausweisung der Nitrat-Gebietskulissen ist die Bewertung im Rahmen der WRRL. Diese Vorgehensweise ist gesetzlich festgelegt und kann nicht vom Land Niedersachsen geändert werden. Erstmals fand diese Bewertung im Jahr 2009 statt. Die zurzeit gültige Bewertung der Grundwasserkörper hat im Jahr 2015 stattgefunden und berücksichtigt als aktuellste Messwerte die Daten aus dem Jahr 2013. Nach der Bewertung 2015 unterschied sich die Kulisse der belasteten Grundwasserkörper kaum von der Bewertung 2009. Turnusgemäß ist bis Ende 2021 eine überarbeitete wasserrechtliche Bewertung aller GWK zu erstellen. Soweit erforderlich, erfolgt anschließend eine Anpassung der Landesverordnung. Dann können eventuell „rote Gebiete“ wieder „grün“ werden, aber auch „grüne Gebiete“ als „rot“ einzustufen sein.

Da die Düngeverordnung den grundlegenden Ansatz vorgibt, für die Festlegung der Gebietskulisse Grundwasser an die wasserrechtliche Bewertung der GWK anzuknüpfen, wäre es inkonsequent gewesen, beim nächsten Schritt – der Binnendifferenzierung – eine andere Bewertungsgrundlage heranzuziehen. Abweichende Datengrundlagen bzw. Messwerte würden dazu führen, dass sich eine nicht konsistente fachliche Bewertung ergäbe. Hierbei könnten Abweichungen von der Bewertung der GWK im wasserrechtlichen Bewirtschaftungsplan 2015 auftreten (in beide Richtungen); die „offizielle“ wasserrechtliche Bewertung im Bewirtschaftungsplan soll aber gemäß Düngeverordnung maßgeblich sein.

Teil 1 mit wichtigen Fragen und Antworten zum Thema "Rote Gebiete in Niedersachsen" lesen Sie hier...

Weitere Fragen und Antworten lesen Sie in der LAND & FORST 45/19.

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