Lichtung in einem Laubwald
Birgit Greuner | am

Waldschäden in Niedersachsen verheerend

Niedersachsens Wälder sind stark geschädigt: Mit einer Pflanzaktion hat Barbara Otte-Kinast den Waldschadensbericht vorgestellt.

Die niedersächsischen Waldbesitzer blicken auf zwei katastrophale Jahre in Folge zurück. Stürme, Hitze, Dürre und viele Millionen Borkenkäfer haben landesweit verheerende Waldschäden hinterlassen.

Das ist ein Ergebnis des Waldschadensberichtes 2019, den Niedersachsens Forstministerin Barbara Otte-Kinast am vergangenen Freitag (29. November) gemeinsam mit Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, vorgestellt hat.

Den aktuellen Waldschadensbericht Niedersachsen können Sie am Artikelende herunterladen.

Wassermangel, Sonne und Schadorganismen verursachten in Niedersachsen Waldschäden in nie gekanntem Ausmaß. Waren zunächst Fichtenwälder betroffen, verschlechtert sich der Zustand inzwischen verstärkt auch in den heimischen Kiefern-, Buchen und Eichenwäldern. Das fortdauernd sehr warme und vor allem trockene Wetter der vergangenen zwei Jahre führte zu dieser katastrophalen Situation.

Wie dramatisch die Lage ist, beweisen diese Zahlen: Allein in diesem Jahr sind auf diese Weise bereits weit über 3,5 Mio. m³ Schadholz und rund 10.000 Hektar baumloser Fläche in Niedersachsen entstanden. Betroffen sind Landeswälder und Privatwälder gleichermaßen. Mit weiteren Schadensmeldung bis zum Jahresende ist zu rechnen. Viele Millionen Bäume sind abgestorben.

Schwerpunkt Ostniedersachsen und niedersächsisches Bergland

„Der Waldzustandsbericht belegt: Die Lage hat sich dramatisch zugespitzt“, sagte Ministerin Otte-Kinast. Die starken Schäden und die Absterberate der Waldbäume seien 2019 auf das Niveau von 1984 geklettert. Die damaligen hohen Werte wurden teilweise sogar noch übertroffen.

Das Problem: Das zweite Jahr in Folge war es deutlich zu warm und zu trocken. Es fielen nur 85 Prozent des langjährigen Niederschlagssolls. Das Niederschlagsdefizit hat landesweit seine Spuren hinterlassen.

Besonders Fichten, aber auch Buchen und Eichen haben in der Vitalität stark nachgelassen, sind teilweise abgestorben oder wurden vom Borkenkäfer überwältigt. Ablesbar ist die nachlassende Vitalität am Grad der Kronenverlichtung. Die Schwerpunkte der Schäden lagen in Ostniedersachsen und im niedersächsischen Bergland.

 

Standortangepasst, klimastabil und strukturreich

Barbara Otte-Kinast schaufelt ein Pflanzloch für ein Gehölz.

Zusammen mit Waldbesitzenden und Forstleuten will das Land den Waldbau nachjustieren. Das Ziel Niedersachsens sei ein standortangepasster, klimastabiler und strukturreicher Mischwald. „Unsere Förderangebote unterstützen den Privat- und Kommunalwald bei dieser gesellschaftlichen wichtigen Aufgabe, und auch die Landesforsten brauchen unsere finanzielle Unterstützung“, erläuterte die Ministerin.

Waldzustandsbericht 2019

Waldzustandsbericht Niedersachsen 2019

Langfristige ökologische Waldentwicklung

Niedersachsen fängt hier nicht bei null an: Der Waldumbau nach dem Programm zur „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ (LÖWE) wird bereits seit drei Jahrzehnten umgesetzt und nun weiter konkretisiert.

So wird künftig das pflanzenverfügbare Wasser im Boden die entscheidende Rolle bei der Baumartenwahl spielen. Daher konzentriert sich die Standortkartierung im Privatwald derzeit auf Waldbestände mit künftigen Kulturflächen.

Klimaprojektion bis 2070

Die neue Richtlinie für die klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten stellt die Weichen für die Entwicklung betriebssicherer Wälder und blickt mit Klimaprojektionen bis 2070 weit in die Zukunft. Die Richtlinie ist auch Basis für die Förderrichtlinien im Privatwald.

Reiner Fichtenwald wird in der künftigen Waldbauplanung keinen Platz mehr haben. Stattdessen stehen nun zusätzlich Weißtannen, Küstentannen und Japanlärchen, gemischt mit Buchen und weiteren Baumarten. Diese sind aufgrund ihrer großen Klimaanpassungsfähigkeit neu im Katalog der so genannten Waldentwicklungstypen.

Die Wiederbewaldung der Kahlflächen in Niedersachsen wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen, der Waldumbau mehrere Jahrzehnte. Ministerin Otte-Kinast betonte: „Wenn wir weiter gemeinsam anpacken, werden wir die Leistung unserer Wälder für Forstwirtschaft, Natur und Erholung wiederherstellen, erhalten und verbessern!“

Waldzustandsbericht jedes Jahr wieder

Den Waldzustandbericht stellen Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen jedes Jahr am Ende der Vegetationsperiode zusammen.

Die NW-FVA ist eine zentrale Forschungs- und Beratungsstelle für alle Waldbesitzarten. Sie betreut mit rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zahlreichen Drittmittelkräften ein Viertel der deutschen Waldfläche.

Den Waldzustandsbericht 2019 können Sie oben herunterladen.

Mehr zum Wald-Umweltmonitoring lesen Sie hier...

Mit Material von Forstministerium Niedersachsen
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