on_Heidschnucken-Lüneburger Heide
Christa-Maria Brockmann | am

Wolf sorgt für Aufruhr beim VNP

Ist der Wolf wichtiger als Weidetiere? Das befürchtet die VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide. Für Zoff sorgt eine Formulierung des Landkreises Harburg in der Neufassung einer Naturschutz-Verordnung.

Seit Jahrhunderten sorgen Heidschnucken mit ihrem Verbiss von Buschwerk für den Erhalt der lilafarbenen Blütenteppiche in der Lüneburger Heide. Verstärkung bekommen sie von der Robust-Rinderrasse Wilseder Rote und den Dülmener Wildpferden. Jetzt sind die vierbeinigen Landschafspfleger und damit auch die Existenz der historischen Kulturlandschaft Lüneburger Heide bedroht.

Ein Videointerview zum Thema sehen Sie in unserer digitalen Ausgabe.

Neufassung der Verordnung sorgt für Ärger

Grund ist die Neufassung der Verordnung für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Danach hat der Wolf Vorrang vor dem Leben der Schnucken und ihrer vierbeinigen Helfer. Im Rahmen der öffentlichen, inzwischen beendeten Auslegung des Entwurfes kritisierte die VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide das Vorgehen des Landkreises Harburg scharf.

Geschäftsführer Mathias Zimmermann beanstandet vor allem Paragraph 3 zur "Schutzwürdigkeit und Schutzbedarf". Darin heißt es: "Sofern es zu Zielkonflikten zwischen der Weidetierhaltung und anderen Zielen des Naturschutzes oder Gesetzesgrundlagen wie beispielsweise dem Artenschutzrecht kommen sollte, müsste das Ziel der Nachahmung der Heidebauernwirtschaft ggf. zurückstehen. Beispielsweise ist es nicht Zweck der Verordnung, eine Wolfsentnahme durch die Erhaltung der Heidebauernwirtschaft zu rechtfertigen."

Wald statt Heide

Ohne die Landschaftspflege mit insgesamt acht Heidschnuckenherden sowie mit Robust-Pferde- und Rinderrassen im Naturschutzgebiet sei der Erhalt der Heidelandschaft nicht umsetzbar, warnt Zimmermann. Wenn der genannte Passus Einzug in die Naturschutzgesetz-Verordnung erhalten sollte, sei diese Form der Landschaftspflege durch die VNP Stiftung und private Heidschnuckenhalter kaum länger aufrecht zu erhalten. Als Folge entstünde innerhalb weniger Jahrzehnte aus den heutigen Heideflächen ein Wald.

Kritik am Landkreis

Aus Sicht der VNP Stiftung wird der Landkreis Harburg seiner eigentlichen Aufgabe nicht gerecht. "Es ist völlig inakzeptabel, wenn die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg Aufgaben wahrzunehmen scheint, die der EU, dem Bund und dem Land Niedersachsen obliegen." Dieses Vorgehen kritisiere die VNP Stiftung auf das Schärfste. 

Der Landkreis Harburg sieht die Sachlage naturgemäß anders. "Der Verordnungsentwurf für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide wurde nicht nur einvernehmlich zwischen den Landkreisen Harburg und Heidekreis abgestimmt, sondern auch mit Akteuren wie dem VNP vor Auslegung mehrfach besprochen", erklärt Pressesprecher Andreas Wulfes auf Anfrage von LAND & FORST. Dabei habe der VNP mit Nachdruck gefordert, die Weidetierhaltung in die Verordnung aufzunehmen. Wolfssichere Weiden und Pferche von Schäfereien würden einen Weg aufzeigen, den es sich lohnt, weiterzugehen, sagte Wulfes.

Passus gestrichen - Danke vom VNP

Die LAND & FORST erreichte nach Veröffentlichung dieses Artikels ein Leserbrief vom Geschäftsführer des VNP, Mathias Zimmermann.

"[...] Der VNP ist dagegen auch in der Presse massiv vorgegangen. Nun steht fest: Dieser strittige Passus wird ersatzlos gestrichen!

Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich für die Unterstützung auch durch Ihren Bericht in der LAND & FORST bedanken, der dieses für den Erhalt des NSG Lüneburger Heide überlebenswichtige Ergebnis möglich gemacht hat. Unser VNP sorgt seit über 110 Jahren unter anderem auch durch die Beweidung der Offenlandschaft in den größten zusammenhängenden Heideflächen Mitteleuropas dafür, dass diese 6.000 Jahre alte historische Kulturlandschaft erhalten werden kann.

Unsere Grundprämisse dabei sind "Naturschutz für und mit den Menschen" und "Naturschutz durch Nutzung". Der Versuch des Landkreises Harburg, aus dieser Kulturlandschaft ein Wildnis-Gebiet zu machen, konnte auch mit Hilfe Ihres Artikels verhindert werden. Dafür danken wir Ihnen herzlich!

Lassen Sie uns auch in Zukunft gemeinsam wachsam bleiben, wenn es um den Erhalt einer in Deutschland einmaligen historischen Kulturlandschaft geht."

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