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Meinung | Werner Raupert | am

Glyphosatverbot: Wer schreit am lautesten?

Das Glyphosatverbot in Österreich heizt die Diskussion an. Den Kopf einzuschalten, empfielt Redakteur Werner Raupert.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, kennen Sie auch die Diskussion im Freundeskreis um das Verbot von Glyphosat? Da gibt es nur schwarz oder weiß, Sachkenntnis ist kaum vorhanden. Meist hört man nur, das „Zeug muss weg, es ist krebserregend“. Um es klar zu sagen: wenn es tatsächlich so wäre, gäbe es keine zwei Meinungen.

Doch die bloße Gefahr sagt nichts darüber aus, ob der Wirkstoff bei sachgerechter Anwendung gesundheitsschädlich ist. Denn dann müssten auch Kaffee (Koffein), Zigaretten (Nikotin) und Alkohol schon längst verboten sein.

Nationaler Alleingang rechtlich umstritten

In der EU hat Österreich als erster Mitgliedstaat mit dem vollständigen Verbot glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel ein neues Fass aufgemacht. Dieser nationale Alleingang ist rechtlich umstritten, da der Wirkstoff noch bis Ende 2022 zugelassen ist. Bayer erwägt, juristisch dagegen einzuschreiten, denn eigentlich dürfen einzelne Länder nur in absoluten Ausnahmefällen ein Verbot von zugelassenen Wirkstoffen verhängen.

Entscheidung über Glyphosatverzicht bis September

Es war klar, dass Umweltaktivisten diese Steilvorlage aufgreifen und von der deutschen Regierung sofortige Anwendungsverbote fordern. Und die Kanzlerin? Angela Merkel hat angekündigt, dass die Bundesregierung bis Ende September über ein Glyphosatverzicht entscheiden wird. Ist da schon eine Entscheidung gefallen?

Eigentlich müssten die gewählten Volksvertreter der unabhängigen Expertise von namhaften und unabhängigen Wissenschaftlern und Behörden mehr vertrauen. Die haben klar zum Ausdruck gebracht, dass es bei sachgerechter Anwendung unwahrscheinlich ist, dass Glyphosat Krebs auslöst.

Glyphosatverbot bringt häufigere Überfahrten

Auch der Blick nach vorn schadet nicht. Eine Studie der Kleffmann Group zu den Folgen eines Glyphosatverbots hat aufgezeigt, dass z.B. für Weizen die Dieselkosten je nach Betrieb wegen häufigerer Überfahrten um 10 bis 23 l/ha steigen werden. Der Deckungsbeitrag wird um 36 % sinken.

Bezieht man auch die Ertragsverluste mit ein, sinkt der Deckungsbeitrag sogar um 78 %.

Arbeitsaufwand und CO2-Emissionen steigen

Der Arbeitsaufwand steigt bei Marktfrüchten um 2 und im Obstanbau um 8 Stunden/ha. Und die CO2-Emissionen werden um 28 bis 61 kg/ha steigen. Bei einer Anwendung von Glyphosat auf 3,6 Mio. ha (etwa 30 % der Ackerfläche) erhöht sich bei einem Verbot der CO2-Ausstoß allein in Deutschland um über 100.000 t. Und an Hanglagen wird sich die Gefahr von Bodenerosionen vervielfachen.

Die Politiker sind gut beraten, alles noch einmal gut abzuwägen und eine sachgerechte Folgenabschätzung vorzunehmen. Es lohnt sich, erst den Kopf einzuschalten und nicht nur auf die zu hören, die am lautesten schreien.

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