Diersing-Espenhorst
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Tierisch heiße Debatte beim Deutschen Bauerntag

Wir scheuen keine Veränderungen, aber diese müssen machbar sein, sagt LAND & Forst-Chefredakteurin Maren Diersing-Espenhorst.

Was war das für ein heißer Bauerntag! Das lag zum einen an den hochsommerlichen Temperaturen und zum anderen an den Themen. Wie in der Nutztierstrategie im Spannungsfeld zwischen Markt und gesellschaftlichen Anforderungen.

Der Bundestagsabgeordnete Johannes Röring betonte in diesem Zusammenhang, dass verlässliche Strategien ebenso fehlen wie definierte Ziele und praktikable Lösungen.

Das frustriert Tierhalter und hindert sie daran, ihre Potenziale voll auszuschöpfen. Denn Ungewissheit und fehlende Verlässlichkeit verzögern Investitionen oder stoppen sie ganz.

Deshalb kann ich ihre Sorgen nachvollziehen. Besonders, wenn man sich dann die Worte von Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu Herzen nimmt: Weltweit wächst der Fleischkonsum.

Probleme exportieren löst sie nicht

Doch Landwirte in einem Land mit hohen Kosten wie Deutschland haben im internationalen Wettbewerb das Nachsehen, wenn nicht gegengesteuert wird. Steigen die Anforderungen an die EU-Landwirte weiter, wird die Inlandsproduktion sinken und der Import steigen.

Bei Enten ist dies schon der Fall. Sie kommen größtenteils aus Ländern, deren Haltungsbedingungen deutlich schlechter sind als unsere. Damit wird das Tierschutzproblem nicht gelöst, sondern exportiert. Und die heimische Nutztierhaltung geschwächt.

Widersprüchliche Anforderungen

Erschwert wird die Debatte durch sich widersprechende Anforderungen. So fördern Laufhöfe für Kühe zwar das Tierwohl, aber sie stehen dem Klima- und Umweltschutz entgegen.
Denn es wird mehr Ammoniak an die Luft abgeben und Regenwasser erhöht die Güllemenge. Außerdem steigen die Kosten pro Stallplatz ins Astronomische – falls man überhaupt eine Baugenehmigung ergattert.

Das macht es Ihnen, liebe Landwirte, schwer, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Das darf nicht sein. Zumal, wenn weltweit 800 Millionen Menschen hungern. Diese Männer, Frauen und Kinder bekommen wir nicht mit unserem guten Gewissen satt, sondern mit Nahrungsmitteln.

So werden alle verlieren

Sollte Deutschland irgendwann seine Lebensmittel ausschließlich auf dem Weltmarkt beziehen müssen, verlieren alle:
Die deutschen Verbraucher, denn die heimischen Produktionsstandards werden nicht zu halten sein. Die europäischen Erzeuger, da sie im internationalen Wettbewerb nicht mithalten können.

Und der ärmere Teil der Weltbevölkerung, der sich die Lebensmittel aufgrund der großen Konkurrenz dann gar nicht mehr leisten kann. Das darf nicht passieren.

Stimmen aus Niedersachsen zum Deutschen Bauerntag lesen Sie hier...

Mehr zum Deutschen Bauerntag lesen Sie in der LAND & Forst 27/19.

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